Der sprechende Zuschauer: Wir wir uns Fernsehen kommunikativ by Werner Holly (auth.), Werner Holly, Ulrich Püschel, Jörg

By Werner Holly (auth.), Werner Holly, Ulrich Püschel, Jörg Bergmann (eds.)

Zum Erfolg des Fernsehens hat vieles beigetragen: aus der Sicht der modernen Rezeptionsforschung vor allem seine vielseitige Anschlussfähigkeit an die Alltagswelten der Zuschauer. Wie kein anderes Medium ist Fernsehen heute quick selbstverständlich in die Alltagskommunikation eingebunden, wird sprechend begleitet und kommunikativ weiterverarbeitet, ohne dass die Zuschauer dies sonderlich wahrnehmen. Bisher wurde die Kommunikation von Fernsehzuschauern, wenn überhaupt, dann unter kulturpessimistischen oder medienpädagogischen Vorzeichen gesehen. Diese detaillierte empirische Untersuchung zeigt, wie tatsächlich beim und über Fernsehen gesprochen wird, in welchen Formen und mit welchen Funktionen. So entsteht ein neues Bild vom Medium Fernsehen, das meist als ein Informations- und Unterhaltungsmedium gilt; in unseren Augen ist es in erster Linie eine Orientierungsressource, ein stetiger Lieferant von symbolischem fabric, hinreichend verbindlich und zugleich angemessen unverbindlich, mit desen Hilfe sich die Zuschauer wechselseitig orientieren, über Relevanzen, Normen, Werte, die sie events- und gruppenspezifisch untereinander abgleichen, um die Viabilität ihrer Weltdeutungen zu testen.

Show description

Read Online or Download Der sprechende Zuschauer: Wir wir uns Fernsehen kommunikativ aneignen PDF

Best german_7 books

Wandel der Interpretation: Kafkas, Vor dem Gesetz‘ im Spiegel der Literaturwissenschaft

6 der Hermeneutik und der Literaturtheorie mit denen der empirischen Forschung verbindet. Es hat mich gefreut, daß die Herausgeber bereit waren, das Buch in die Reihe "Konzeption Empirische Literaturwissenschaft" aufzunehmen. Erkenntlich bin ich ihnen auch für ihre kritische Durchsicht des Manuskriptes.

Additional info for Der sprechende Zuschauer: Wir wir uns Fernsehen kommunikativ aneignen

Sample text

Auch der Mitrezipient mischt sich mit der Bemerkung "hör auf' in das Bildschirmgeschehen ein und fordert damit Professor Schirmer auf, von Schwester Marion abzulassen. Doch welcher erfahrungsweltliche Faktor verbirgt sich hinter diesen pseudokommunikativen Aktivitäten? Beispielsweise könnten die Äußerungen der beiden Rezipienten Ausdruck von Verlegenheit sein, weil ihnen die leidenschaftliche Kußszene unangenehm ist, sie letztlich eine eher ablehnende Haltung zu erotischen Darstellungen auf dem Bildschirm haben.

Andrea, die Mutter, wechselt ihre Rahmung. Während ihre Äußerungen zu Anfang noch vorwiegend fernsehbezogen sind, läßt sie sich im Laufe des Films immer mehr von Sven ablenken und tobt mit ihm durchs Zimmer. Zwar versucht sie stellenweise, seine Aufmerksamkeit auf einzelne Szenen, Worte oder Bilder des Fernsehens zu richten, jedoch nur mit kurzzeitigem Erfolg, wie der bereits angeführte Ausschnitt zeigt Aber selbst wenn man dem Geschehen im Fernsehen aufmerksam folgt, heißt das noch nicht unbedingt, daß man auch innerlich mitgeht, sich darauf einläßt, Anteil nimmt an dem, was auf dem Bildschirm passiert.

Dieckmann spricht aufgrund dieser Dreiecksstruktur von ",trialogischer' Kommunikation": zwei oder mehrere Personen reden miteinan3 Als ,Fernsehakteure' bezeichnen wir alle Handelnden im Fernsehen. , 54). Dabei haben sie immer zwei Adressaten, den angesprochenen, mit dem man direkt kommuniziert, und den gemeinten Adressaten, von dem man will, daß er es höre und sehe. Burger (1990, 44) benutzt hier die Metapher von zwei sich überlagemden Kommunikationskreisen: "der innere Kreis des dialogischen Geschehens (= ,Primärsituation ') und der äußere Kreis der Beziehung zwischen den Dialogteilnehmern und dem Publikum(= ,Sekundärsituation')".

Download PDF sample

Rated 4.93 of 5 – based on 7 votes