Die Ordnung des Betriebes: in der Sicht der deutschen by Fritz Rudolph

By Fritz Rudolph

Gewerkschaften werden iiblicherweise als freiwillige, dauerhafte Zusam menschliisse von Arbeitnehmern mit dem Ziel der Beeinflussung von Lohn und Arbeitsbedingungen definiert. Wie aber kommt es, daB bei der Ziel bestimmung nicht ausdriicklich yom Betrieb die Rede ist? Gehort es nicht auch zu den Zielen der Gewerkschaften, die Ordnung der Betriebe zu ver andern? Eine noch so oberflachliche Orientierung kann diesen Tatbestand nicht iibersehen. Da ist in gewerkschaftlichen Stellungnahmen von der Demokratisierung der Betriebe die Rede, oder es wird untersucht, welche Aufgaben die soziale Betriebsfiihrung in der Sicht der Gewerkschaften zu erfiillen hat. In anderen KuBerungen werden die Grenzen der sozialen Funktion des Betriebes betont. In der gewerkschaftlichen Diskussion geht es additionally nicht nur um Lohn-und Arbeitsbedingungen, sondern dabei zugleich um Struktur und Funktion des Betriebes. Aber auch von den gewerkschaft lichen Absichten zur Gestaltung der Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung ist in der Definition nicht die Rede. Die heute gebrauchlichen Definitionen der Gewerkschaft gehen auf die examine der englischen Gewerkvereine in der zweiten Halfte des vorigen 1 Jahrhunderts zuriick, wie sie Sidney und Beatrice Webb in England und Lujo Brentano 2 in Deutschland vorgelegt haben. Diese "klassische" Gewerk schaftstheorie battle vornehmlich an der Frage interessiert, ob und wie Ge three werkschaften in der kapitalistischen Wirtschaft Erfolg haben konnen. Gegen die damals vorherrschende Anschauung kamen die Webbs und Brentano zu dem Ergebnis, die Gewerkschaften seien geeignete Institutionen, urn die Lebensbedingungen der Arbeiter zu verbessern.

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W'eddigen, Berlin 1950, S. 194 ff. 85 J. Cassau, Die ArbeitergewerksdIaften, Halberstadt 1927, S. 115. 36 Der Betrieb in der gesellschaftspolitischen Konzeption der Gewerkschaften Gewerkschaft nach 1945 im Unterschied zu der Zeit vor 1933 kein eigenstandiges Programm entwickelt hat. Allerdings bezog sich auch damals die Unabhangigkeit nur auf die Wege, nicht auf das Ziel selbst. a) Das Unternehmen in der Wirtschafisordnung Wir wollen zuerst untersuchen, welche Stellung das Unternehmen in Wirtschaft und Gesellschaft nach den Neuordnungsplanen und nach dem Entwurf fiir das Grundsatzprogramm haben solI.

Mars, Von der negativen zur positiven Einstellung der freien Gewerkschafl:en gegentiber der sozialen Betriebspolitik, in: Probleme der sozialen Betriebspolitik, Hg. G. Briefs, Berlin 1930. 55 E. Heimann, Sozialistische Wirtsdtafl:s- und Arbeitsordnung, Potsdam 1932. 56 G. Briefs, Art. Betriebssoziologie, in: Handworterbudt der Soziologie, Unvedinderter Neudruck, Stuttgart 1959, S. 31 ff. 113 54 Wirtsmaftsdemokratie und soziale Betriebspolitik in der Weimarer Zeit 33 Hans MaTs laBt mit dem Jahre 1927/1928 eine neue Phase der Gewerkschaftsarbeit beginnen, in der sich die Betriebspolitik als neues Arbeitsfeld herausstellt.

A. , S. 30. Unternehmen und Betrieb im gewerkschaftlichen Programm nach 1945 45 gar nicht erwarten. JedenfalIs konnen wir die gewerkschaftlichen Auffassungen iiber die Gestaltung des Betriebes nicht dadurch erfassen, daB wir sie aus dem Begriff »Demokratisierung des Betriebes" deduzieren. Die Gewerkschaften haben sich allerdings auch nicht damit begniigt, Arbeitnehmervertreter in die Aufsichtsrate und in die Vorstande der Mitbestimmungsindustrie zu entsenden, ohne ihnen zugleich eine konkretere Hilfe zu geben.

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