Kultur und Gesellung: Ein Beitrag zur allgemeinen by Karl Anton Fischer

By Karl Anton Fischer

Gern komme ich der Aufforderung nach, die der Bruder des verstorbenen Verfassers an mich gerichtet hat, dieses Buch durch ein paar einleitende Worte zu begleiten. Hinter dem zu bescheiden gewählten Titel der Schrift steht die Absicht dieses Denkers, dessen vorzeitigen Heimgang guy nicht genug beklagen kann, der Kultursoziologie zu der ihr so dringend notwendigen Systematik zu verhelfen und ihr ein Gerüst an Kategorien und Begriffen zu geben, das erst diesen Zweig der allgemeinen Soziologie zu einer geschlossenen Wissenschaft macht. Sie läuft sonst Gefahr, sich in Kulturgeschichte aufzulösen oder ein Feld willkürlicher Spekulationen zu werden. Hier beseitigt das Werk Fischers eine klaffende Lücke. Es gibt uns ein geistiges Handwerkszeug, das sich, so hoffe ich, allmählich als unentbehrlich erweisen wird. Besonders seine Kategorie der Koinen und die Gegen­ überstellung von sinnheitlichen und wirkheitlichen Zusammenhängen, die den Gegensatz von Kultur und Gesellung glücklich verdeutlichen, ist eine wesentliche Bereicherung. Fischer unterscheidet eine beziehungswissenschaftliche und eine kultursozio­ logische Richtung, wie es wohl seit dem Erscheinen des Handwönerbuches der Soziologie üblich geworden ist. Er selbst stellt sich auf den Boden der Kultur­ soziologie, während der Schreiber dieser Zeilen die beziehungswissenschaftliche Schauweise pflegt. Er sagt über den Gegensatz: "Während die beziehungswissen­ schaftliche Soziologie die Gesellungsgebilde (Gruppen) und die Beziehungen der zugehörigen Einzelmenschen zum Hauptobjekt der soziologischen Forschung macht, geht die Kultursoziologie der hier vertretenen An von einem umfassen­ deren Gebilde, dem kulturell-gesellschaftlichen Wirkegebilde, aus, das die Ge­ selhmgseinheiten neben den kollektivgeistigen Inhalten als Elemente enthält.

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Sie ist der Hand ihres Schöpfers entglitten und erstarrt. Diese Unveränderlichkeit des geistigen Inhaltes ist das wesentliche Kennzeichen des objektivierten Geistes, weniger die Verkörperung in einem dauerhaften Gegenstand der äußeren Welt. So ist z. B. eine wissenschaftliche Theorie, auch soweit sie in einem Buch niedergelegt ist, solange noch Bestandteil des lebendigen Gemeingeistes, wie sie im Meinungsstreit sich entwickeln und verändern kann; die spätere Fassung pflegt dann 10 einer späteren Auflage des Buches zu erscheinen.

Subjektive) Bedeutung haben, heißt: erheblid:t sein, von Vorteil, von Nutzen sein für die Auseinandersetzung der Einzelnen mit der Umwelt. 3. 13 14 t$ Vgl. Freyer, Einleitung in die Soziologie, S. 55. Anm. 4. Vgl. Freyer, Theorie des objektiven Geistes, 3. , S. 31. Kultur als Reich des Kollektivgeistigen 33 Sinn, indem er auf das "Gemeinte" ("dieser Weg führt nach ... ") hinweist; dieser Zusammenhang gilt "überhaupt", besonders für alle Menschen, die unter gleichen Umständen sich vor den gleichen Tatbestand gestellt sehen.

Anders ist es bei den sogenannten Geisteswissenschaften (Einzel-Kulturwissenschaften). Die Rechtswissenschaft z. B. zeitigt Lehren und Einsichten, die als kollektivgeistige Gegebenheiten innerhalb des Kulturlebens als einer Gesamtheit von geistigen Inhalten eine bestimmte, von der Kulturaltheorie zu untersuchende Funktion haben; darüber hinaus bezieht sich aber die Rechtswissenschaft auf Vorgänge (Strebungen und Handlungen, Motive und Ziele), die nicht der Natur, sondern dem Kulturleben selbst angehören.

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