Musik und Psyche: Hören mit der Seele by Boris Luban-Plozza, Mario Delli Ponti, Hans H. Dickhaut

By Boris Luban-Plozza, Mario Delli Ponti, Hans H. Dickhaut

von Sir John C. Eccles Dieses Buch ist eine bemerkenswerte Arbeit. Das Werk muß um so mehr empfohlen werden, weil die Autoren den Mut haben, die vielfältigen Beziehungen zwischen Musik einerseits und unseren durch Musik ausgelösten Reaktionen andererseits eingehend zu untersuchen. Die mitgeteilten Erfahrungen betreffen nicht nur die Musik selbst als künstlerisches Schaffen, sondern gleichermaßen die emotionellen Bereiche des Menschen. In dieser Beziehung kann Musik bei der Behandlung psychi­ scher Störungen therapeutisch genutzt werden; aber ich möchte gleich hinzufügen, daß auch die unter uns, die glücklicherweise nicht unter psychischen Störungen leiden, für ihre Psyche großen Nutzen aus der Musik ziehen können. Als Gehirnspezialist stimme ich völlig mit den Ausführun­ gen der Autoren überein, daß die Musik als eine weitere Sprache, mit ihrem ureigenen Codesystem, betrachtet werden muß. Ge­ sprochene Sprache hat sich im Prozeß der kulturellen Evolution zu dem Zweck entwickelt, präzise Anweisungen zu geben und auch, um ein Vehikel argumentativer Auseinandersetzung zu sein. Zusammen mit der Mathematik ist die gesprochene Sprache die foundation eines großen Teils unserer Kultur, nicht nur der Wissen­ schaft und Technologie, sondern auch der Literatur, Philosophie, Geschichte und Theologie.

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6 der Hermeneutik und der Literaturtheorie mit denen der empirischen Forschung verbindet. Es hat mich gefreut, daß die Herausgeber bereit waren, das Buch in die Reihe "Konzeption Empirische Literaturwissenschaft" aufzunehmen. Erkenntlich bin ich ihnen auch für ihre kritische Durchsicht des Manuskriptes.

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Manchmal wird kritisch angemerkt, daß das Kunstverständnis des Benutzers von Kunst (fnti) dem des Erlebens von Kunst (pati) entgegengesetzt sei. Eine solche Betrachtungsweise verwechselt massenbezogene Phänomene wie Benutzung und Verteilung mit der eigentlichen Idee der Kunst, die auf die unwiederholbare individuelle Einmaligkeit ausgerichtet ist. Zu behaupten, daß die Musik von «Benutzern» wie eine zweckbestimmle Einrichtung «gebraucht» werde, hieße gleichzeitig, ihr den Charakter einer Gabe abzusprechen, die man gerne und freiwillig aufnimmt.

W. Adorno mit der berühmten Feststellung, daß nach Auschwitz alle Kultur als Müll anzusehen sei. Die Tatsache, daß Menschen zu der Ungeheuerlichkeit des zweiten Weltkrieges und zur Völkervernichtung fähig waren, Menschen, die seit Jahrhunderten eine sublime Ästhetik entwikkelt hatten, schien einer totalen umstürzlerischen Revision der oben angesprochenen Ideen zu entsprechen. Es wurde notwendig, den künstlerischen Ausdrucksformen ethische Grenzen zu setzen. Von Theodor Adorno wurden die Grenzen dieser erneuerten moralischen Verpflichtung in den Bereich der Politik verlagert: Direkte Konsequenz der engen Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft einerseits sowie der durch die geschichtlichen Ereignisse bedingten Kunstforschung andererseits.

Literaturverzeichnis). Nietzsches Überlegungen zu unserem Thema beschränkten sich nicht auf die oben zitierte Textstelle, in welcher er die Entdeckung besonderer Wege zu den Vorgängen der Kunstwahrnehmung erlebte. In «Morgenröthe», Abschnitt 509, heißt es: «... mache dein Theaterauge auf, das große dritte Auge, welches durch die zwei anderen in die Welt schaut! » 41 Das Chinesische kennt nur einen Begriff für Tonart und Gesetz. Das Gesetz der Musik, sofern sie nicht entartet sei, entspreche eben dem Gesetz des Kosmos.

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